Der Clown 1

Seit die Scheisse anfing zu kochen und die ganze Welt in einem verdammten Szenario aus Blut, Gedärmen und Körperteilen unterging, hatte er sich versteckt. Er hatte durch das Fenster und im Internet erkannt, dass das da draussen nicht seine Welt war.Als die Bundesregierung die Menschen aufforderte daheim zu bleiben, folgte er dem Aufruf bereitwillig, denn schon nach der letzten Grippepandemie hatte er sich einen kleinen, bescheidenen 14 Tages Vorrat zugelegt. Als dann die Menschen schon wieder anfingen Klopapier zu horten, konnte er sich entspannt zurücklehnen. Er hatte Internet und Fernsehen, er musste da nicht raus. Als der Strom ausfiel, las er Bücher und ging früher schlafen. Er wartete bis die Bundeswehr oder wer auch immer dieses Chaos beseitigen würden, doch dann waren ihm langsam die Vorräte ausgegangen. Er wollte eigentlich auf keinen Fall da raus, aber er bekam Hunger und er wusste dass er etwas finden musste. Zuerst hatte er beschloßen, in den Wohnungen seiner Nachbarn nachzusehen. Das ganze Haus war seit Tagen ruhig geblieben. Eigentlich hörte man immer mal etwas aus dem Haus, aber von den anderen drei Mietparteien war nichts zu hören. Direkt nebenan wohnte eine alte Dame. Er nannte sie gern “Hexe” denn er konnte sich nicht erinnern sie jemals lachen gesehen zu haben, aber im Gegenzug hielt sie sich nicht mit Beschwerden über die Kinder der Nachbarschaft zurück. Wie alle alten Damen würde sicher auch sie die Speisekammer gefüllt haben. Vielleicht ließ sie sich ja erweichen? Wenn sie überhaupt noch da war. Vorsichtig zog er die Wohnungstür einen Spalt auf und lauschte in den Hausflur hinein. Nichts! Kein Laut war zu hören. Leise schlich er zur Tür der Nachbarin, legte vorsichtig sein Ohr an das Türblatt und horchte. Immer noch nichts. Plötzlich stieg die Frage in ihm auf, wo die alte Dame wohl sein sollte, wenn nicht daheim? Viele Möglichkeiten gab es da ja nicht. Er konnte sich nicht erinnern, wann er sie das letzte Mal gesehen hatte. Vielleicht war sie ja einkaufen gegangen und unterwegs von einem der Untoten angefallen und getötet worden? Oder sie war eine von denen geworden. Diese Monster kannte er da nur auf Entfernung, beobachtet vom Küchenfenster aus, mit zugezogenen Gardinen. Doch er glaubte nicht, dass diese Wesen noch an so etwas wie “zuhause” dachten. Sein Magen begann zu knurren und zeigte damit deutlich, dass es Zeit war, zu essen. Er musste da rein, ob er wollte oder nicht. Nun gut, er war eigentlich sicher dass er nicht wollte, aber es blieb ihm nichts anderes übrig. Also beschloß er zunächst einmal, zu klopfen. Zunächst zaghaft, dann etwas fester ließ er seine Fingerknöchel an das Türblatt donnern. Wieder horchte er in die Wohnung hinen. Da war nichts, gar nichts. Vorsichtig rüttelte er an der Tür, doch die war anscheinend fest geschloßen. Er brauchte ein Werkzeug. Da fiel ihm sein Stemmeisen ein, dass er noch im Keller liegen hatte. Ideal um Wohnungstüren aufzuhebeln. Wieder knurrte der Magen. Ihm blieb keine Wahl. Vorsichtig schlich er das Treppenhaus hinab um den Keller zu erreichen. Immer wieder blieb er stehen, horchte, doch der Weg war frei. Schon wenige Minuten später schob er das Eisen in den Spalt zwischen Türblatt und Rahmen. Sicherheitshalber hatte er einen Hammer mitgebracht. Vorsichtig setzte er an. Eigentlich wollte er keinen Lärm machen aber schnell wurde klar, dass er das Eisen nicht so einfach in den Spalt bekommen würde. Mit einem Stoßseufzer hob er den Hammer und schlug beherzt zu. Einmal. Pause und lauschen. Zweimal. Erneute Pause und lauschen. Des Eisen schien nun tief genug und er begann daran zu zerren. “Gebt mir einen Hebel, der lang genug, und einen Angelpunkt, der stark genug ist, dann kann ich die Welt mit einer Hand bewegen”, sollte Archimedes gesagt haben, dennoch war er jetzt nur schwer in Lage diese einfache Wohnungstür aufzuhebeln. Nach einigem Mühen erst, wurde ihm bewusst, was der Leitsatz des Archimedes für ihn bedeutetet, griff das Stemmeisen am hintersten Ende und zog mit aller, ihm zur Verfügung stehenden Kraft. Mit einem letzten Krachen sprang die Tür auf und er fluchte leise. Soviel zu möglichst leise sein. Vor ihm lag der leere Wohnungsflur der alten Dame. Die Wohnung war genau spiegelverkehrt zu seiner gebaut, daher fand er die Küche sofort. Sicherheitshalber schaute er vorher in die anderen Räume, permanent das Stemmeisen zum Schlag gehoben, doch die Wohung war leer. Bingo. Die alte Dame hatte reichlich Lebensmittel gebunkert. Tomaten in Dosen, Pilze in Gläsern, Suppen in Dosen und sogar ein paar Gläser Marmelade. Vorsichtig öffnete er den Kühlschrank und fand sogar hier noch einiges das noch nicht abgelaufen war. Okay, der Strom war bereits ein paar Tage ausgefallen. Also liess er lieber die Finger davon. Er nahm was er tragen konnte und brachte es in seine Wohnung. Dieser Fund würde ihn ein paar Tage weiterbringen. Bis dahin wäre bestimmt die ganze Krise vorbei. Doch die Krise ging nicht vorbei, er versteckte sich weiter in seiner Wohnung, las die Bücher der alten Frau, verzehrte erst kalte Erbsensuppe, dann das Obst, irgendwann sogar die eingelegten Tomaten aus der Dose. Als diese Vorräte gegessen waren, nahm er sich die nächste Wohnung vor, fand auch diese leer vor, aber weniger Lebensmittel, und er erinnerte sich, dass hier ein junger Mann gewohnt hatte. War wohl nicht so der Typ, der auf Vorrat einkaufte. In der letzten Wohnung hatte eine junge Frau gewohnt, daran konnte er sich entsinnen. Doch nachdem auf diese Tür seinem Stemmeisen zum Opfer fiel, stellte er fest, dass diese Nachbarin wohl schon vorher ausgezogen war, denn hier standen nicht einmal mehr Möbel. So blieb ihm keine Wahl. Er würde sein Versteck verlassen müssen. Ein paar Häuser weiter, nur ein Stück die Strasse hinab, standen einige Einfamilienhäuser. Viele mit Kindern. Hier würde sich sicher etwas finden lassen. Wieviele Monster sich zwischen ihm und dem “gelobten Land” befanden, wollte er gar nicht wissen. Nach reiflicher Überlegung beschloß er, Nachts zu gehen. In der Dunkelheit würden sie ihn nicht so leicht sehen können. Der Plan erschien ihm gut, auch wenn er den Haken hatte, dass er die Monster nicht sehen konnte. Doch die waren im allgemeinen nicht sehr leise. Das würde schon klappen.